Predigt Sonntag, 25. Juli 2010 von Arnold Kropf

1. Samuel 3,1-10 Hören - mit dem Herzen
Wann habt ihr das letzte Mal Gott zu euch reden gehört? Was hat er euch gesagt? War es etwas zu eurem Leben? Ein Hinweis in einer Entscheidung? Und wie hat er zu euch geredet? Durch ein Bibelwort? Durch einen Mitmenschen oder durch ein Ereignis? Oder durch eine innere Gewissheit, die er euch geschenkt hat? – Heute wollen wir uns mit dem Hören auf Gott befassen. Und vielleicht gibt es ja dann beim offenen Mik praktische Beispiele, wie Gott in ein Leben hinein reden kann. – Der Predigttext heute:
 
Lesen: 1. Samuel 3,1-10
 
1. Gott redet
Wie ein rotes Band zieht es sich durch die ganze Bibel: Gott redet. Unser Gott ist nicht ein stummer Gott, der irgendwo sein Dasein fristet. Nein, von allem Anfang an war er ein Gott, der geredet hat. Durch sein allmächtiges Wort hat er die ganze Welt geschaffen, alles was ist und alles was lebt. Und vor allem: Er hat von Anfang an mit den Menschen geredet. Seine Gemeinschaft mit den Menschen ist vor allem dadurch zum Ausdruck gekommen, dass er mit ihnen geredet hat, dass er mit ihnen im Gespräch gewesen ist.
Sein Reden war nicht immer gleich intensiv. Am Anfang unseres Textes haben wir gelesen, dass in jener Zeit es nur noch selten vorkam, dass der Herr zu einem Menschen sprach und ihm etwas offenbarte. Das mag verschiedene Gründe haben. Gott muss nicht mit uns reden, er ist nicht verpflichtet oder gezwungen dazu. So kann es wohl auch Zeiten geben, wo er schweigt.
Aber gerade die Geschichte heute zeigt uns, dass er nicht dabei stehen bleibt. Mit Samuel nimmt Gott einen neuen Anlauf, um mit seinem Volk wieder ins Gespräch zu kommen. Er will wieder mit seinem Volk reden. Er will ihnen sein Wort geben, will in Verbindung mit seinem Volk sein. Er hat durch die ganze Geschichte seines Volkes Israel immer wieder Propheten geschickt, zu denen er geredet hat. Er hat ihnen sein Wort, seine Botschaft anvertraut und sie beauftragt, diese an sein Volk weiter zu geben.
Und dann hat er seinen Sohn Jesus geschickt! Und in ihm, in Jesus, hat er in einer Art und Weise zu uns Menschen geredet, wie er es vorher nie getan hatte. Jesus ist Gottes Reden in Person! Mit ihm hat Gottes Reden zu den Menschen einen Höhepunkt erreicht. Jesus hat es an verschiedenen Stellen betont, dass seine Worte die Worte des Vaters im Himmel sind. Gott selber hat sich so zu ihm gestellt. Als Jesus mit Petrus, Jakobus und Johannes auf dem Berg war, wo er verklärt wurde, da hören die Jünger eine Stimme, die zu ihnen sagt: Dies ist mein Sohn, ihm gilt meine Liebe, ihn habe ich erwählt. Auf ihn sollt ihr hören! Mt. 17,5. Jesus hat uns Gottes Wort in seiner ganzen Fülle gebracht.
Aber auch nach dem Tod von Jesus hat er durch seinen Heiligen Geist weiter geredet mit seinen Jüngern, mit den Aposteln. In Apg. 8,26ff lesen wir z.B. von Philippus, wie der Heilige Geist mit ihm redete und ihn auf die Strasse von Jerusalem nach Gaza schickte. Dort begegnete er dem Wagen des Kämmerers aus Äthiopien. Der Heilige Geist redete weiter zu ihm und sagte ihm, er solle sich zu diesem Wagen halten. Und da konnte er dann dem Kämmerer das Evangelium erklären. – Also gerade im Blick auf persönliche Evangelisation hat der Heilige Geist zu Philippus gesprochen.
So redet Gott bis heute durch seinen Heiligen Geist! Und alle, die zu Jesus gehören, haben ja den Heiligen Geist bekommen. So hat unser Vater im Himmel dafür gesorgt, dass wir alle seine Stimme hören können, sein Reden vernehmen können. – Wir haben einen Gott der redet, bis heute. Es liegt ihm am Herzen, auch mit uns zu reden, mit uns in Verbindung, in Gemeinschaft zu sein. Ich finde das genial! Und wir können uns von ganzem Herzen darüber freuen, dass wir einen solchen Gott haben, der mit uns reden will.
2. Warum hören wir ihn oft nicht?
Ich denke, dass es nicht nur meine Erfahrung ist, dass ich so oft Gottes Stimme nicht höre! Dass ich nichts vernehme. Wenn ich auf die Strasse gegangen bin, um mit jemand zu reden, hätte ich mir oft gewünscht, dass der Heilige Geist zu mir reden würde wie zu Philippus und mir genau zeigen würde, wohin und zu wem ich gehen soll. Aber so manches Mal bin ich durch die Strassen gegangen und habe niemand gesehen, mit dem ich reden könnte und habe keine Stimme gehört, keinen inneren Eindruck gehabt.
Ja, warum hören wir oft die Stimme Gottes nicht? Woran liegt es wohl?
- Sicher ist zunächst, dass Gott in seinem Reden souverän ist. Er muss nicht immer reden. Er kann auch mal still sein und uns einfach machen lassen. Wir haben kein Recht darauf, dass er redet.
- Aber dann lesen wir in unserer Geschichte etwas Interessantes: Samuel wusste noch nicht, dass es der Herr war… oder: Samuel kannte den Herrn noch nicht… Merkwürdig. Er lebte im Heiligtum, zusammen mit dem Priester Eli, aber er kannte den Herrn nicht. Offenbar hatte Eli ihn nicht hinein genommen in den persönlichen Umgang mit Gott. Samuel war zwar in den Gottesdienst am Heiligtum hinein genommen, aber Gott hatte er dabei nicht kennen gelernt. Ob wir vielleicht manchmal Gottes Stimme auch nicht hören, weil wir ihn zu wenig kennen? Ist vielleicht unser Christenleben manchmal auch einfach formal, äusserlich richtig, aber ohne die lebendige Beziehung zu Gott? Bei Samuel war das ein Problem. Er kannte den Herrn noch nicht.
- Oder ist es vielleicht manchmal mangelnde Sensibilität? Wir hören zwar etwas, wir vernehmen etwas, aber wir sind nicht sensibel genug um zu merken, dass es Gottes Stimme ist? Erst als Samuel das dritte Mal kam, dämmerte es Eli, dem langjährigen, erfahrenen Priester, langsam, dass es Gott selber sein könnte, der den jungen Samuel rief. Ob Gott bei uns manchmal auch drei, viermal rufen muss, bis wir endlich merken, dass er es ist, der uns etwas sagen will? Einfach, weil wir nicht sensibel genug sind, weil wir es nicht merken, dass er es ist.
- Oder fehlt es vielleicht manchmal an unserer Bereitschaft, überhaupt hören zu wollen? Es geht uns ja so gut. Wir haben alles, was wir brauchen. Wir leben unser eigenes Leben und es gelingt mehr oder weniger. Wir haben alles einigermassen im Griff – wozu sollten wir dann hören wollen, was Gott uns sagt? Wir finden es vielleicht gar nicht nötig, dass er redet zu uns. Es geht so gut ohne sein Reden.
- Das hängt durchaus zusammen mit fehlender Stille. Unser Leben ist oft so hektisch. Von morgens bis abends ausgefüllt mit Programm, mit vielen Dingen, die wir noch sollten und die wir gerne möchten. Wir haben gar keine Zeit, zu hören, ob er uns etwas sagen möchte. Und wenn wir einmal etwas Zeit haben, dann liegt uns der Griff zur Fernbedienung des Fernsehers oft viel näher als z.B. der Griff zur Bibel.
Es mag noch viele andere Gründe geben, warum wir Gottes Reden nicht hören können.
 
3. Was hilft uns, Gottes Reden zu hören?
Ich bin überzeugt, dass Gott uns immer erreichen kann, auch wenn wir nicht daran denken, mitten in der Hektik des Alltags. Gott kann!
– Aber für uns ist es eine Hilfe, wenn wir immer wieder ganz bewusst die Stille suchen. Wenn wir uns entscheiden, aus dem Lärm und der Hektik des Alltags uns für Momente zurück zu ziehen und uns auf unseren Gott auszurichten. – Dieses Jahr ist ja auch als „Jahr der Stille“ deklariert worden. Dabei geht es durchaus um eine aktive, offene Stille, eine Stille, die erwartet, dass Gott hinein redet. – Stille könnte man vielleicht vergleichen mit dem Suchen einer bestimmten Sendefrequenz im Radio. Wenn wir einen bestimmten Sender wollen, dann müssen wir manchmal suchen. Bei unserem Autoradio ist es oft so, wenn wir unterwegs sind, dass wir zwar den Sender auf einer Frequenz bekommen, dass er aber gestört ist. Dann muss man halt weiter suchen, bis die Frequenz gefunden ist, die ungestört ankommt. Wenn wir die Stille suchen, wenn wir wirklich hören wollen, dann ist die Chance gross, dass wir Gottes Reden zu uns auch hören können. Ich möchte euch ermutigen, wirklich immer wieder bewusst die Stille zu suchen, nicht nur in der sog. stillen Zeit, sondern auch sonst im Tageslauf, wo sich Möglichkeiten dazu bieten. – Dazu braucht es manchmal eine bewusste Entscheidung. Hier ist uns Maria von Bethanien ein Vorbild. Lk. 10,38ff. Als Jesus zu Besuch kam, da war die Frage: Was ist jetzt wichtiger – in der Küche zu sein, oder Jesus zuzuhören? Sie entschied sich, bei Jesus zu sitzen und ihm zuzuhören – auch wenn ihre Schwester Martha sich deswegen ärgerte. Jesus sagt: Maria hat die richtige Wahl getroffen. Sie hat sich für ein Gut entschieden, das ihr niemand wegnehmen kann.
- Dann braucht es die Bereitschaft zum Hören – das hängt mit dem Stille suchen zusammen. Der junge Samuel war bereit, zu hören! Er hätte, als er seinen Namen rufen hörte, sich auf seiner Schlafmatte drehen können und murmeln: Ich will jetzt schlafen, ich höre nichts. Aber er war bereit. Er antwortete „Ja“ und stand auf und lief zu Eli. – Die Bereitschaft zum Hören und zum Aktiv werden ist ganz wichtig. Da kann Gott zu uns reden. Dass wir uns also ganz bewusst für das Reden des Heiligen Geistes öffnen, dass wir auch fragen, dass wir mit Gott ins Gespräch kommen. Und ich denke, dass diese Bereitschaft nicht nur punktuell da sein soll, dass sie für uns als Christen eine Lebenshaltung werden soll. Dass unser ganzes Leben darauf ausgerichtet wird, seine Stimme zu hören und bereit zu sein, ihr zu folgen.
- Häufig redet Gott zu uns durch sein Wort in der Bibel. Hier hat er gesprochen, und hier spricht er auch aktuell zu uns, in unser Leben hinein. Darum ist es so wichtig, dass wir immer wieder in der Bibel lesen, dass wir Gottes Wort in uns aufnehmen, dass wir darauf hören. Wenn wir die Bibel lesen, geben wir Gott ganz bewusst auch die Gelegenheit, uns anzusprechen, ein Thema auf den Tisch zu bringen, das uns persönlich betrifft. Es geht beim Bibellesen nie darum, nur ein Soll zu erfüllen. Es geht um das Gespräch mit unserem Vater im Himmel, mit Jesus! – Durch das Wort der Bibel kann und will der Heilige Geist zu uns reden – vielleicht auch gerade im Blick auf persönliche Evangelisation. Ich möchte noch viel mehr damit rechnen, dass er mir zeigen kann, wann und mit wem ich über ihn reden kann und etwas vom Evangelium sagen kann. Es ist mir wichtig geworden, dass wir uns auch gerade in der Frage der Evangelisation leiten lassen vom Heiligen Geist. „meh läbe 2010“ – wie weiter? Da brauchen wir die Weisungen des Heiligen Geistes, dass er auch zu uns redet und uns zeigt, was dran ist und wo und wie wir dran bleiben können. Das möchte ich noch viel mehr lernen. Wie Philippus vom Heiligen Geist hörte, wo er hingehen sollte und zu wem er reden sollte, so möchte ich das auch erleben und lernen.
 
Zum Mitnehmen:
 
1. Gott redet! – Er hat durch sein Wort die Welt geschaffen. Er hat mit seinen Menschen geredet und Gemeinschaft mit ihnen gepflegt. Er hat immer wieder Propheten geschickt und er hat Jesus, seinen Sohn, geschickt. Durch ihn redet er zu uns, bis heute. Durch den Heiligen Geist hat er zu den Aposteln geredet und er tut es bis heute auch bei uns. Freuen wir uns, dass wir einen Gott haben, der redet!
 
2. Warum hören wir Gott oft nicht? – Gott ist souverän in seinem Reden. Er muss nicht, er kann auch mal schweigen. – Aber bei uns: Fehlt es daran, dass wir unseren Herrn nicht gut genug kennen, wenn wir ihn nicht hören? Fehlt es an Sensibilität, dass wir es gar nicht wahrnehmen, wenn er ruft? Oder ist die Bereitschaft nicht da, hören zu wollen? Fehlt es uns an der nötigen Stille, um zu hören?
 
3. Was hilft uns, Gott zu hören? – Bewusst Stille suchen, unsere innere Frequenz auf ihn einstellen. – Es braucht Bereitschaft zum hören und reagieren auf das, was wir hören. Und Gott redet oft durch sein Wort, die Bibel. Darum wichtig, die Bibel zu lesen und so auf ihn zu hören. Und dabei offen sein für das, was der Heilige Geist uns sagen will!
Ich wünsche, dass die Haltung von Samuel unsere Haltung wird: Rede, Herr, dein Diener, deine Dienerin hört!